Autor Ondrej Hejl
Skala 1:150
Herausgeber Ondrej Hejl
Schwierigkeitsgrad: 3/5
Heft Nr.: 0126
Der Kostel sv. Václava in Hrusice – die St.-Wenzels-Kirche – ist eine außergewöhnlich gut erhaltene mittelalterliche Kirche in der Nähe von Prag. Sie ist nicht nur wegen ihrer Architektur interessant, sondern auch eng mit dem berühmten tschechischen Maler und Illustrator Josef Lada verbunden.
Eine Kirche aus dem 13. Jahrhundert
Die Geschichte des Kirchenstandorts reicht sogar noch weiter zurück. Bereits vor 1200 wird in der Gegend eine Kapelle erwähnt. Die heutige Kirche wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet und war ursprünglich dem heiligen Wenzel, dem böhmischen Landespatron, geweiht. Im 14. Jahrhundert ist sie bereits als Pfarrkirche belegt.
Architektonisch handelt es sich im Kern um eine spätromanische einschiffige Kirche. Charakteristisch sind das rechteckige Langhaus, die halbrunde Apsis und der westliche Turm. Spätere Umbauten veränderten das Erscheinungsbild, ohne den mittelalterlichen Grundcharakter vollständig zu beseitigen.
Der außergewöhnliche romanische Portal
Das wohl bedeutendste Detail der Kirche befindet sich an der Nordseite: ein bemerkenswertes romanisches Stufenportal aus rotem Sandstein.
Besonders außergewöhnlich ist das figurengeschmückte Tympanon über dem Eingang. Die dargestellten Figuren werden entweder als Cyrill und Method oder als St. Wenzel und St. Adalbert gedeutet. Das Portal wird mit den Mönchen des Klosters Sázava in Verbindung gebracht; sogar das Wappen des damaligen Abtes Reginhard soll daran zu finden sein.
Das Portal war über Jahrhunderte verborgen. Im 16. Jahrhundert wurde es vermutlich im Zuge von Umbauten zugemauert. Erst nachdem am 9. Juni 1853 ein Blitz in den Kirchturm eingeschlagen hatte und dadurch die Nordwand aufriss, wurde das wertvolle Portal wiederentdeckt.
Umbauten und Ausstattung
Im 16. Jahrhundert wurde die Kirche erheblich verändert. Unter anderem wurden die ursprünglichen romanischen und gotischen Fenster ersetzt und der ursprüngliche hölzerne Dachabschluss durch ein Gewölbe ersetzt. Später kamen barocke Veränderungen hinzu.
Im Inneren befindet sich unter anderem ein barocker Hauptaltar aus dem 18. Jahrhundert, der 1789 nach Hrusice kam. Er ist mit Figuren der Jungfrau Maria, des heiligen Adalbert und des heiligen Prokop geschmückt. Eine Statue des heiligen Wenzel wurde 1809 ergänzt.
Die Kirche des Josef Lada
Für ein Modell der Kirche ist noch ein anderer Aspekt besonders reizvoll: Hrusice ist der Heimatort von Josef Lada (1887–1957). Der Künstler machte das Dorf und seine Umgebung durch seine Illustrationen weltbekannt.
Die Kirche gehört zu den Motiven, die in den typischen Hrusice-Darstellungen Ladás immer wieder auftauchen. Sie wurde dadurch zu einem Bestandteil jener idealisierten tschechischen Dorfwelt, die viele Menschen mit „Kater Mikeš“ und Ladás Illustrationen verbinden.
Heute gilt die Kirche als wichtigstes Kultur- und Baudenkmal von Hrusice.
Für eine Modellbeschreibung würde ich besonders den romanischen Ursprung, den ungewöhnlichen Sandstein-Portalbau und die Verbindung zu Josef Lada hervorheben – diese drei Punkte machen die Kirche deutlich interessanter als eine gewöhnliche Dorfkirche.